Erfahrungsbericht im Umgang mit Computern bei Autisten

Jürgen Ottl

Meine persönlichen Erfahrungen:

Ich bin nun schon seit einigen Jahren Mitglied im autistischen Verband. Wir haben selbst eine autistische Tochter (Kanner Autistin 13 Jahre alt) und wir sind seit etwa 5 Jahren mit der Methode der Gestützten Kommunikation vertraut. Am Anfangschrieb unsere Tochter mit einer Schreibtafel aus Holz mit vertiefungen. Schon bald schrieb unsere Tochter aber so viel und auch umfangreicruhiger und ausdauernder , das es für uns viel zu anstrengend wurde alles von Hand mitzuschreiben oder es sich zu merken. Deshalb probierten wir auf den PC umzusteigen, was relativ schnell und unkompliziert klappte. Von nun an war es möglich an unruhigen Tagen FC Sitzungen jeder Zeit abzubrechen, angefangene Fragen oder Antworten abzuspeichern un zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzurufen. Es machte sich aber ein weiterer positiver Effekt bemerkbar. Am Computer arbeitete unsere Tochter wesentlich aufmerksamer und konzentrierter mit, als vorher bei der Holzschreibtafel. Sie war viel aufmerksamer und ausdauernder bei der Sache und auch die Zeit, in dern sie ruhig sitzen blieb verlängerte sich deutlich. Waren es vorher maximal 15 Minuten, konnte sie am PC bis zu 45 Minuten durchhalten, und im laufe der Zeit bis heute sogar Sitzungen bis zu 2 Stunden erreichen, was eine deutliche Leistungssteigerung darstell. Schon bald erkannte man das auch in der schulischen Einrichtung, die unsere Tochter besucht. Heute hat sie dort mehrere FC Stunden am Computer mit ihrer Lehrerin und es zeigte sich auch dort eine deutliche Steigerung der Lernbereitschaft und Konzentration. Zusätzlich habe ich auf dem Laptop meiner Tochter ein Sprachprogramm installiert, das es ermöglicht geschriebne Texte lautsprachlich wiederzugeben. Unsere Tochter arbeitet seit etwa einem Jahr begeistert mit diesem Programm (LOGOX 4) das ihr somit auch eine eigene Stimme verleiht, da sie nicht sprechen kann.

Auf dem Computer lassen sich auch Handlungsabläufe grafisch gut darstellen, so das sie für Autisten verständlicher sind und man kann sie auch mit einer entsprechenden Fotosoftware ausgestattet zum erstellen von Bildsymbolkarten zur vereinfachten darstellung von Handlungsabläufen im Alltag einsetzen, in dem man z.B. Fotos von Gehgenständen mit einer Digitalkamera macht, die Bilder abspeichert und zu Erklärungen von Abläufen z.B. Waschen, essen usw. hinzufügt und einsetzt, oder ausdruckt und auf Pappkärtchen klept um sie auch unterwegs zur ommunikationsunterstützung einzusetzen.

Hinweis: Auf der Startseite von Autismus und Computer gibt es einen Link zu dem Erfahrungsberichte mit Computern mit dem Titel ERFAHRUNGSBERICHT EINER FC SCHREIBENDEN AUTISTIN Sonja O.
Dieser Erfahrungsbericht wurde von meiner Tochter mit Hilfe der Gestützten Kommunikation geschrieben. Per Mausklick auf diesen Link kann der Erfahrungsbericht aufgerufen werden: http://www.autismusundcomputer.de/sonja.html

Ergänzend zum ERFAHRUNGSBERICHT EINER FC SCHREIBENDEN AUTISTIN Sonja O. möchte ich noch das Sprachprogramm näher erläutern. Der Bericht wurde von meiner Tochter gestützt geschrieben.

Das Sprachprogramm, das Meine Tochter nutzt ist LOGOX 4.


Was ist LOGOX 4?

LOGOX 4 ist ein Sprachprogramm, das mehr als 10 verschiedene Stimmen zur Auswahl hat. Eine Männerstimme und über 9 weitere Frauenstimmen, darunter auch Kinderstimmen, die in drei verschiedenen Dialektarten u.a. auch französischer Akzent und hessisch sowie eine regelbare Intonation und Tonrauheit, sowie auch regelbare Sprachgeschwindigkeit bietet. Aber nicht nur das, Sie können damit auch Sprachmails versenden und sogar telefonieren, sich jeden beliebigen Text vorlesen lassen und dank Webspeach sich komplette Webseiten vorlesen lassen.

Dabei ist die Bedienung äußerst einfach. Nach der einfachen Installation ist LOGOX 4 sofort einsatzbereit. Es ist so einfach aufgebaut, wie Word Pad. Einfach nur Text eingeben und auf die Wiedergabetaste klicken und schon wird der Text vorgelesen, in der Stimme und in dem Dialekt, den man sich vorher ausgewählt hat.

Was bringt ein solches Sprachprogramm bei nichtsprechenden Autisten?

Mehrere Tests haben gezeigt, das Autisten dieses Sprachprogramm sehr gut akzeptieren. Es gibt ihnen endlich eine Stimme, auch wenn es nicht die eigene ist, so können sie sich mit dieser doch ihrer Umwelt endlich auch per Sprache mitteilen, denn gesprochene Worte werden von der Umgebung eher wahrgenommen als geschriebener Text. Das liegt daran, das wir Text im Gehirn erst in Worte umwandeln müssen, dieser Prozess ist komplexer als direkt gesprochene Worte zu hören und somit gleich zu verstehen, ähnlich so, als müssten wir, wenn wir Text lesen erst wie beim Sprechen einer Fremdsprache diese übersetzen. Somit können nichtsprechende Autisten sehr gut auch im Schulunterricht einsetzen. Ebenso ist es für FC sehr gut geeignet, da wie gewohnt gestützt werden kann und der Text sowohl als Textdatei, als auch als Sprachdatei abgespeichert werden kann.

Weitere Vorzüge:

LOGOX 4 läuft praktisch auf jedem Computer ab Windows 95. Es braucht nur 16 MB Arbeitsspeicher und nur etwa 32 MB Festplattenspeicher und ist damit auch auf Laptops gut einsetzbar und somit wird ein Laptop auch eine mobile Kommunikationshilfe für nichtsprechende Autisten. Zudem ist es mit etwa 30€ Anschaffungspreis sehr günstig.

 

Wo bekomme ich LOGOX?

Derzeit ist das Programm leider vergriffen. Ich bin zwar bemüht zu organisieren, das es wieder in den Handel kommt. Sobald ich etwas neues weiß, berichte ich sofort dafon und bitte Sie noch etwas um Geduld.

Derzeit ist Logox nicht nur Ebay zu beziehen, sondern direkt vom Hersteller G- DATA, allerdings in der prfessionel edition, die zusätzlich auch Word Exel und die Tabellenkalkulation unterstützt. Der Preis ist etwas höher und liegt bei 59,99€.

Fragen über Logox und natürlich auch direkte Fragen an die FC schreibende Autistin Sonja können über folgende Emailadresse gestellt werden:
jrottl@aol.com


Bitte haben Sie mit den Antworten etwas Geduld, da meine Tochter nur an Wochenenden im zwei Wochenrüthmus zu Hause ist und zu den Ferienzeiten. Sie können natürlich auch Fragen an mich direkt stellen, die ich dann umgehend beantworte. Sie erreichen mich außerdem über das Autismusforum linker Niederrhein http://www.autismus-online.de/

 

Zusatzbericht zum Bericht v. Sonja O. Computer u. Sozialförd       

Zusatzbericht zum Bericht von Sonja O.
Computer und soziale Verhaltensförderung

Meine Tochter konnte früher keinerlei Kontakte zu ihrer Außenwelt, d.h. zu anderen Menschen aufbauen. Nicht einmal zu uns Eltern. Erst durch die Gestützte Kommunikation FC wurde es ihr ermöglicht sich auszudrücken, eigene Gefühle mitzuteilen und Bedürfnisse und Wünsche zu äußern. Das reichte aber nicht alleine aus, um auch Freundschaften aufzubauen.

Durch den Computer und das Internet bekam sie aber auch Kontakt zu ihrer Außenwelt. Es war nun sogar möglich eine Schulfreundin zu gewinnen. In einem einzigartigen Versuch sprach ich die Eltern einer Mitschülerin an, von der Sonja mit Hilfe der Gestützten Kommunikation berichtete, das sie, sie sehr gut leiden kann, ob es nicht möglich währe, das sich die Beiden gegenseitig Emails schreiben würden.

Es klappte auf Anhieb so perfekt, das selbst ich erstaunt war. Mit der Zeit merkte ich, das diese Freundschaft beiden sehr gut tat. Sonja wurde viel aufgeschlossener und traute sich selbst wesentlich mehr zu. Beide besuchen sich nun regelmäßig und schreiben sich auch wöchentlich.

Schon sehr bald baute Sonja weitere Freundschaften zu autistischen und nicht autistischen Menschen auf und nun herrscht ein regelmäßiger und stetiger Austausch über das Internet und Sonja konnte auch schon viele persönlich kennen lernen.

Wünschenswert währe nun ein Internetportal, über das sich autistische Menschen auch mit Fachleuten und unter sich austauschen könnten.

Sozial bringt das Internet und der PC mit entsprechenden Sprachprogramm z.B. LOGOX 4 sehr viel. Er ermöglicht den Aufbau sozialer Kontakte zu den nächsten Mitmenschen (Eltern) aber auch zum näheren und ferneren Umfeld in der Schule, in der Wohngruppe und zu allen die Kontakt mit autistischen Menschen wünschen. Er fördert das Selbstwertgefühl für Menschen mit einer autistischen Behinderung und kann auch dort positiv eingesetzt werden, wo Menschen mit feinmotorischer Störung und Sprachstörung leben, um auch ihnen die Möglichkeit zu geben soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.

 

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