Autismus und Computer

Dinah Murray and Mike Lesser

1999, “Autism and Computing”, for Autism99 online conference organised by the NAS with the Shirley Foundation

Murray und Lesser präsentieren ein Hypertext-Dokument, das sowohl theoretische wie praktische Aspekte des Autismus zeigt und diese mit Videosequenzen und Links illustriert. Sie argumentieren, dass das zentrale Merkmal des Autismus der Aufmerksamkeitstunnel ist, den sie als Monotropismus bezeichnen. Im Dokument wird erklärt, und gezeigt, dass Computer eine ideale Umgebung zur Förderung der Kommunikation, der sozialen Fähigkeiten, der Kreativität und der Spielfreude für Personen selbst am extremen Ende des autistischen Spektrums bieten. Mit Computern lässt sich daher direkt die "Triade der Beeinträchtigungen" angehen. Das Potenzial der Computer im Bereich Autismus liegt nicht nur auf dem lerntechnischen, sondern auch auf dem therapeutischen Gebiet. Computer bieten eine einfache Möglichkeit, so an den Aufmerksamkeitstunneln der Betroffenen teilzunehmen, dass sich ein Minimum an beiderseitigem Unbehagen ergibt, sodass einige der am stärksten behindernden Merkmale der Störungen des autistischen Spektrums umgangen werden können.

Besonders fokussierte Interessen können Vorteile bringen, die jenen polytropischen Menschen entgehen, die ihre Welt typischerweise eher in umfassenderen Zusammenhängen erklären und oft zahlreiche Interessen im Kopf haben. Respekt gegenüber sich selbst und anderen kann so entstehen und auch außerhalb der Computersitzungen wirksam werden.

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Eoin Mason sagt: "Hallo an alle im TV-Land." Eoin grüßt die Welt über die Kamera von Jes Benstock, der bei den Masons zu Gast ist, um die Familie für Autism & Computing zu filmen. Videosequenzen dieser Aufnahmen und kurze Animationen, die Ferenc Viag geschaffen hat, illustrieren den Text. Klicken Sie darauf, um sie abzuspielen. Die Animationen lassen sich wesentlich schneller herunterladen als die meisten Videosequenzen - wenn Sie wenig Zeit haben, können sie sich auch mit den Video-Standbildern zufriedengeben, aber verpassen Sie nicht Ferencs wunderbare Arbeiten, die den Text verdeutlichen und unterstützen.

Computer bieten Raum für Spiel, Erkundung und Kreativität in einer geschützten Umgebung, die keine verbalen Anforderungen stellt. Die meiste Zeit über haben die meisten von uns eine vielfach geteilte Aufmerksamkeit. Normalerweise haben wir viele gleichzeitig angeregte Interessen und können die entsprechenden Informationen leicht verarbeiten (wir haben polytropische Interessensysteme). Beim Autismus besteht ein Aufmerksamkeitstunnel, die Dinge erscheinen isoliert und ohne Zusammenhang (Menschen mit Autismus haben monotropische Interessensysteme).

Interessensysteme mit Aufmerksamkeitstunneln ergeben eine gefährlich erscheinende Welt, die fragmentiert und unverbunden ist. Ein Computer dagegen wirkt nicht bedrohlich, sondern kontrollierbar. Er bietet eine angenehme Umgebung, die therapeutische Aktionen erleichtert, bei denen Kommunikation, soziale Fähigkeiten und phantasievolles Spiel spontan auftreten.


Computer haben die folgenden Eigenschaften:
  • begrenzte, sehr eindeutige Bedingungen
  • von Natur aus monotropisch
  • kontextfrei
  • regelgebunden und vorhersagbar - und daher kontrollierbar
  • fehlertolerant
  • hochgradig perfektes Medium
  • Möglichkeiten nonverbalen oder verbalen Audrucks
  • Teilnahme am Aufmerksamkeitstunnel des Betroffene

Beim Arbeiten am Computer haben wir die folgenden Eigenschaften beobachtet, von denen bisweilen gesagt wird, dass sie bei Menschen mit Autismus nicht vorkämen:
VORAUSDENKEN  

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Ferenc war Schüler an der Schule von Harborough für Kinder auf dem autistischen Spektrum als wir ihn im Jahr 1991 trafen (siehe Eine autistische Freundschaft). Damals, er war 12 Jahre alt, äußerte er ein paar wenige Worte, war aber im wesentlichen bis etwa 1992 schweigsam. Als Ferenc 14 war, habe ich ihm ein Animationsprogramm auf meinem PC gezeigt. Zuerst habe ich ihm eine kurze, Animation mit 16 Einstellungen gezeigt, die mein Sohn erstellt hatte, dann habe ich ihm jeweils eine Einstellung für sich gezeigt. Ferenc wollte sofort selbst so einen Film machen.

Indem er die Fähigkeiten benutzte, die er durch ein ihm bekanntes Paint-Programm besaß, und mit minimaler technischer Hilfe meinerseits, schuf Ferenc eine Sequenz aus 16 Einstellungen. Er hat sie dann rückwärts laufen lassen, hat sich das etwas sprunghafte Ergebnis angeschaut und daraufhin eine flüssiger laufende Sequenz produziert. Ich war fasziniert und beeindruckt von seiner Kompetenz. Besonders beeindruckt hat mich die Tiefe, die er dem Bildschirm verliehen hatte, indem er das Viereck nach hinten verschwinden und dann wieder auf uns zu kommen ließ. Um mich zu vergewissern, dass ich das Ganze genauso wahrnahm wie Ferenc, sagte ich: "Für mich sieht das aus, als würde es sich entfernen und dann wieder auf uns zu kommen; siehst du das auch so?" und er nickte begeistert.

 

ERKUNDUNG

 

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Dieser Prozess des Erkundens und des Vorausdenkens taucht immer wieder in Ferencs Animationen auf und ebenso in seinem Ansatz für wissenschaftliche Fragen. Seine nächste Animation, die er einige Wochen später schuf, war über 1000 Einstellungen lang. Darin hat er die ganze Bandbreite der Möglichkeiten erkundet, darunter einige, die er auch viele Monate später noch benutzte. Er hat nicht nur herausgefunden, wie man Objekte bewegt, hin und her und innerhalb der Bildschirmfläche, sondern auch, wie sie sich wellenartig oder drehend bewegen und wie sie sich aufteilen und wieder zusammenfügen lassen. Er benutzt außerdem eine Linie mit einem Winkel, um damit eine sich öffnende Tür darzustellen.

 

KONZENTRATION

 

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Durch all diese Leistungen zeigte sich eine Fähigkeit zur totalen Konzentration - ganz im Gegensatz zu Ferencs sonstigem Verhalten in der Klasse oder wenn seine persönlichen Interessen nicht zum Zuge kommen. Bei dem Film mit den tausend Einstellungen hat er zwischendurch eine kurze Pause gemacht, ansonsten aber alle Animationen jeweils in einem Zug erstellt. Sein dritter, sehr kurzer, Film (wieder ein paar Wochen später) demonstriert, wie sehr er sich konzentrieren kann. Er fing mit einer kurzen Schleife an und hat dann immer weiter Formen der verschiedensten Art hinzugefügt. Zum Beispiel eine gebogene, kammartige Form links unten, die sich vom Betrachter weg und wieder auf ihn zu bewegt. Schließlich hat er zwei große, pulsierende Formen geschaffen, hinter denen sich alle anderen Formen geheimnisvoll verbergen. Daran hat er eine Stunde mit ununterbrochener Aufmerksamkeit gearbeitet. 

In der richtigen Umgebung, mit begrenzten Reizen, haben Menschen auf dem autistischen Spektrum nur damit Probleme, sich auf die Interessen anderer Leute zu konzentrieren, nicht aber mit der Konzentration an sich. Professionelle Animatoren benutzenm Storyboards, sodass sie die Entwürfe der Sequenzen vor sich sehen können. Einen kohärenten Film mit einer Länge von 144 Einstellungen zu machen, jeweils eine Einstellung ohne dabei Zugang zu anderen Einstellungen zu haben, ist nicht normal!

 

KREATIVITÄT

 
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Jede der von Ferenc erstellten Animationen ist ohne Zweifel ein kreatives Projekt. Er erkundet Möglichkeiten und entdeckt, wie man Effekte macht, die er später in Zusammenhängen anwendet, die ihrer Bedeutung entsprechen; zum Beispiel war sein erstes fliegendes Viereck das Ergebnis einer Fahrt entlang der Ränder des Bildschirms. In seinem vierten Film, er ist 144 Einstellungen lang, den er geschaffen hat, während wir ihn dabei filmten, ist sein "Hauptdarsteller" eine weiße Linie, die eine lange Reise unternimmt und sich dabei zwischendurch um einen Punkt dreht, und die sich schließlich mit sich selbst verbindet. 

 

SPIELFREUDE

 
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Als nächstes hat er eine Reihe kurzer Filme aufgegeben (habe ich sie zu enthusiastisch gelobt? - Ich fand sie jedenfalls wunderbar), die mit vorgefertigten Formen arbeiteten, die auf dem Bildschirm hin- und hertanzten. Dann hat er diese elegante und spielerische Demonstration seiner neu erworbenen Fähigkeiten zur Kontrolle und Bewegung vorgefertigter Objekte geschaffen. Je selbstbewusster und fähiger er im Umgang mit dem Programm wurde, desto mehr Raum schien es für Spielfreude zu geben, die er in anderen Zusammenhängen fast nie zeigte. 

Beispiele für autistische Kreativität und Spielfreude im Netz gibt es unter den URLs von Wendy Lawson, Tony Langdon, und Lindsay Weekes. Oder entdecken Sie die On One Page Webseite, die von Gavin Simpson eingerichtet und aufrechterhalten wurde oder die Oops...Wrong Planet Syndrome von Jypsy, die sicher zu den schönsten und witzigsten im Netz gehört.

 

SELBSTBEWUSSTSEIN

 
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Jedes Mal, wenn man etwas kontrolliert oder in seinem Umfeld einen Punkt macht, muss das das eigene Handlungsbewusstsein stärken. Computer bieten jede Menge derartiger Gelegenheiten. Zusammen mit diesem Handlungsbewusstsein - "Das habe ich geschafft" - kann auch ein Gefühl von persönlicher Leistung und Selbstbewusstsein entstehen. Als Ferenc das erste Mal den Film mit den 144 Einstellungen mit der weißen Linie abgespielt hat, grinste er begeistert in dem Moment, als am Ende die weißen Linien zusammengekommen sind (und ich tat das auch!). Für weniger ehrgeizige Menschen können auch viel weniger ehrgeizige Projekte ähnliche Belohnungen bringen. Zum Beispiel kann jemand mit sehr geringen Fähigkeiten eine Powerpoint-Show laufen lassen, einfach indem er die Leertaste betätigt und so eine ganze Serie von Lieblingsbildern wiederkehren lässt. Das kann für manch einen eine faszinierende Leistung sein.

 So, wie es dem Selbstbewusstsein einen Schub gibt, so kann das Arbeiten am Computer auch von Gleichaltrigen und von der Familie anerkannt werden (und manchmal auch von Lehrern). Das ist besonders wichtig bei der Kommunikation mit Menschen, die jede Art von Unaufrichtigkeit besonders sensibel registrieren

 

BEWUSSTSEIN FÜR ANDERE

 
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Während Ferencs Computersitzungen standen entweder Murray oder Lesser bereit, um die Dinge zu kommentieren oder, wenn notwendig, ihre Unterstützung bei der Ausführung seiner Absichten anzubieten. Man kann sehr leicht verfolgen, worauf jemand sich konzentriert, wenn er am Computer arbeitet und kann daher leicht auf freundliche Weise an dessen Aufmerksamkeitstunnel teilhaben. Das ist eine optimale Situation dafür, dass sich ein Mensch auf dem autistischen Spektrum und eine ander Person aufeinander einstellen. Es ist wichtig, das zu erkennen und zu respektieren und auf den Gelegenheiten aufzubauen, die sich dabei ergeben. Die eigenen Themen einer solchen Situation aufzuzwingen kann die Chance zur gegenseitigen Anerkennung zerstören, sodass die Gelegenheit, den Betroffenen dazu zu motivieren, die beträchtliche Anstrengung auf sich zu nehmen, die Interessen und Absichten anderer Menschen zu begreifen, verpasst würde.

 Nachdem Ferenc und ich seinen kleinen Film bewundert hatten, sagte ich, dass ich Mike holen würde. Ferenc ist aufgestanden und mitgegangen. Wir kamen mit Mike zurück, der ebenfalls begeistert von Ferencs Arbeit war und er hat dem Künstler die Hand hingehalten, die dieser auch ergriffen hat.

 

DER WUNSCH, ETWAS ZU ZEIGEN

 
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In der Familie Mason sind drei der fünf Kinder auf dem autistischen Spektrum diagnostiziert - Sean und Eoin, die Zwillinge sind, sowie ihr jüngerer Bruder Micheal. Die Familie hat drei Computer und alle fünf Kinder nutzen sie. Eoin verbringt viel Zeit damit, ein Programm zu nutzen, mit dem er Flugblätter, Grußkarten, etc. erstellen kann. Sean ist in der Familie am stärksten vom Autismus betroffen und war besonders in seinen Bewegungsticks gefangen. Bis zum Alter von sieben Jahren hat er nur zugesehen, wie sich die anderen am Computer beschäftigt haben; er hat "von außen hereingeschaut", wie es seine Mutter formuliert. Dann kam er eines Tages an und holte Rosemarie, die annahm, dass er wollte, dass sie etwas für ihn tut, weil das immer so war, wenn er sie irgendwo hin führte. Dieses Mal aber, als sie an die Tastatur ging und ihn fragend ansah, schob er sie nur beiseite und zeigte ihr, dass er die Maus alleine benutzen konnte, um an ein Grafikprogramm zu gelangen, mit dem er ein paar Regenbogen malte.

Dieser Wunsch, etwas zu zeigen und andere daran teilhaben zu lassen, ist auch ein ganz wichtiger Teil der Motivation, eine Webseite zu erstellen. Das gilt ganz besonders für Jypsy´s Seite, auf der sie sagt: "Diese Seite wird euch so ziemlich alles zeigen, was ich über das autistische Spektrum weiß und noch mehr. Sie zeigt mein eigenes intensive Interesse daran, alle möglichen Informationen über Autismus zu sammeln und den Wunsch, das, was ich weiß, mit anderen zu teilen. Ich teile auch unsere Geschichte, einen persönlichen Blick auf unser Leben auf dem autistischen Spektrum."

 

RELEVANTES SPRECHEN

 
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Von einem autistischen Blickwinkel aus gesehen, machen Computer den gesprochenen Input für den Betroffenen eher relevant und daher akzeptabler. Zum Beispiel "hört" und versteht Ferenc, auch wenn er selbst nicht spricht, die Sprache, wenn sie sich mit seinen gerade aktuellen Angelegenheiten befasst, das heißt, wenn es für ihn relevant ist. Für andere Menschen ist es leicht, die Interessen einer Person zu erkennen, wenn diese grafische Dinge auf dem Bildschirm erscheinen lässt und sie können sich leicht selbst daran beteiligen. Ein Großteil der Gespräche in der Familie Mason, insbesondere, aber nicht ausschließlich, zwischen den Kindern, dreht sich um Dinge am Bildschirm. Micheal, rief, als er zuerst (mit vier Jahren) mit dem Computer sprach: "Spring!" zu einem Spiel mit Namen "Prince of Persia". Schon bald fing er auch an, mit Menschen zu reden, auch hier oft im Zusammenhang mit Computerspielen. 

 

KOOPERATION & AN DIE REIHE KOMMEN

 
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Die Menschen, die sich in kooperativen Tätigkeiten engagieren, sind darin von vornherein gleich. Sie nehmen an einem gemeinsamen Interesse teil und, je nach Gelegenheit, führen sie oder werden geführt. Das Gespräch ist eine kooperative Tätigkeit in diesem Sinne und das gleiche gilt für viele Computerspiele. Bei Computerspielen ist es, anders als bei Gesprächen, immer eindeutig, wann jemand dran ist. Außerdem ist es ebenfalls meist eindeutig, was dabei von jedem Beteiligten erwartet wird. Aus diesen Gründen fällt es Menschen auf dem autistischen Spektrum leichter, bei Computerspielen zu erkennen, wann sie an der Reihe sind und entsprechend zu handeln, als im gesprochenen Dialog. Beim gemeinsamen Spiel am Computer kommen also alle Kinder der Gruppe an die Reihe, einschließlich Sean, der von allen am wenigsten kommunikativ ist, und sie reagieren so, wie ihre Umwelt es von ihnen erhofft.

 

Auch im Internet ist eindeutig, wer wann an die Reihe kommt, was den zusätzlichen Vorteil hat, dass kein Zeitdruck besteht. Es bietet eine Plattform, bei der Menschen auf dem autistischen Spektrum aus der ganzen Welt Neuigkeiten und Meinungen austauschen und sich mit gegenseitiger Hilfe (und Kritik) unterstützen können. So sind etwa die Seite von Jypsy und die On One Page Seite, die oben für ihre Kreativität gelobt worden sind, beispielhaft für ihre der gegenseitigen Hilfe dienenden Gestaltung. Die Gruppe "Autism Network International" (internationales autistisches Netzwerk), die von Jim Sinclair, Donna Williams und anderen ins Leben gerufen worden ist, sowie die Gruppe "Independent living on the autistic spectrum" (unabhängiges Leben auf dem autistischen Spektrum), die von Martijn Dekker organisiert wurde, sind zwei online-Organisationen von und für Menschen auf dem autistischen Spektrum. Man denke auch an die "One Community Pledge", einer Erklärung, die von einer Reihe von autistischen Menschen unterzeichnet wurde: "Ich bestätige, dass wir Menschen auf dem autistischen Spektrum - Kanner-, wie Asperger-Betroffene, High-functioning oder Low-functioning-Autisten, reiche und arme, mit oder ohne weitere Behinderungen, dass wir alle ungeachtet des Alters, der Rasse, des Glaubens, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder irgendeiner anderen Eigenschaft eine Gemeinschaft sind."

 

KOMMUNIKATION & SOZIALE FÄHIGKEITEN

 

Neben der Möglichkeit, das Netz dafür zu nutzen, gegenseitige Unterstützung anzubieten, haben eine Reihe von Menschen auf dem autistischen Spektrum Webseiten geschaffen, die dazu dienen, mit nichtautischen oder "neurologisch-typischen" Menschen ("NTs"; so bezeichnen Menschen auf dem autistischen Spektrum die Nicht-Autisten) zu kommunizieren. Ihr Ziel ist es, den Nts zu erklären, was Autismus für den Betroffenen bedeutet - man sehe sich dazu zum Beispiel die Webseite von Nicholas Andrews, von Gunilla Gerland oder Jared Blackburn oder eine von den anderen bereits erwähnten Seiten an. Diese Art, mit Nicht-Autisten in Kontakt zu treten, vermeidet vieles von dem, was sonst bei entsprechenden sozialen Kontakten zu Schwierigkeiten führen würde. Während das Internet es ermöglicht, weltweit über weite Entfernungen zu kommunizieren, ist jeder Computer eine Möglichkeit, sozialen Austausch live zu erleben, was ebenfalls die größten sonst hierbei auftretenden Schwierigkeiten reduziert.

Normale Kommunikation beinhaltet den Gebrauch von standardisierten Formen (normalerweise die einer gemeinsamen Sprache), sodass die Menschen die Interessen, die andere Menschen zum Ausdruck bringen, erkennen und daran teilhaben können. Die Frage, wie man den Wunsch nach einer gemeinsamen Sprache erzeugt, ist oft eine zentrale Herausforderung für jene, die ein autistisches Kind lieben.Es kann für das Kind eine unüberwindliche Herausforderung sein, die Fähigkeiten des Sprechens samt all ihrer Unsicherheiten und Kontextabhängigkeiten zu erwerben. Dagegen hat jedes Computerprogramm seinen eigenen selbstbegrenzenden Kontext und seine eigenen definierten Bedeutungen.

Der wirksame Einsatz und das Verstehen von Bedeutungen, die man miteinander teilt, kann viel leichter innerhalb dieses begrenzten Kontextes erreicht werden als in der verwirrenden verworrenen Welt der Sprache. Und natürlich sind diese Bedeutungen eine Sache der Gegenseitigkeit - die nicht-autistischen Teilnehmer werden ebenfalls viel leichter kommunizieren können. Ohne größere Anstrengung kommen sich beide Seiten entgegen.

Beiderseitige Kommunikation bringt mit sich:
  • Einander bewusst sein
  • Geteilte Aufmerksamkeit/gemeinsames Interesse
  • Ein Ausdrucksmittel, das die gleichen Interessen auf beiden Seiten weckt
  • Wechselndes an der Reihe sein

Der Computer unterstüzt all dies.

Menschen mit Autismus ziehen bestimmte Umgebungen vor, während sie andere ablehnen:

GEWÜNSCHTE WELT
NICHT GEWÜNSCHTE WELT
  • Regeln
  • Rituale; formal; verlässlich
  • Austausch (soweit nicht bewusst gespielt oder ironisch) ist faktenbezogen oder ritualisiert
  • Hochgradig vorhersagbares Universum
  • Klare Unterscheidungen
  • Ruhiges Tempo
  • Umgebung mit begrenzten reizen
  • Wenige oder nicht allgemeingültige Regeln
  • Wenige oder keine Rituale
  • Wenige oder keine buchstäblichen Fakten
  • Verwaschene Unterscheidungen/unklare Grenzen
  • Im wesentlichen unvorhersagbares Universum
  • Schnelles Tempo
  • Umgebung mit vielfachen Reizen

Der hier gezeigte Gegensatzist nicht nur der zwischen dem, was Menschen auf dem autistischen Spektrum mögen bzw. nicht mögen.- es ist auch der Gegensatz zwischen der Welt, in der die Mensche früher gelebt haben und der, in der sie heute leben, zwischen einer Welt ohne Überfluss und einer Welt des Handels. Überfluss, Domestikation und Handel verändern die Umwelt und reduzieren so den Wert vieler Eigenschaften, wie dem konzentrierten Streben nach etwas, dem Erkennen kleinster Veränderungen in der Umwelt, etc..

Überfluss, Domestikation und Handel führen stattdessen dazu, dass andere Werte aufkommen, wie die Fähigkeit zum Kompromiss, die, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, Vereinbarungen zu treffen, die beiden Seiten gerecht werden, etwas attraktiv erscheinen zu lassen, ein profitables Geschäft abzuschließen (man denke an Jakon, den Schafhirten gegen Esau, den Jäger). In der Welt des Handels wird die Fähigkeit, die Interessen anderer erkennen zu können, zu einem universellen Ziel und nicht nur zu einem solchen für Mütter.

Über viele Jahrhunderte wurde die Umwelt mehr und mehr autismus-inkompatibel. Durch die Computer ist am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts eine neue, autismus-kompatible Umwelt entstanden. Menschen auf dem autistischen Spektrum können zu dieser neuen Umwelt genauso viel beitragen wie jeder andere auch. Das gilt für die Schule, für zu Hause oder für die Arbeit und auch für individuelle Computer. Vor allem aber gilt das für das Internet, wie jeder, der den erwähnten Links folgt, erfahren wird.

Die folgenden zwei (englischsprachigen) Bücher zeigen die Möglichkeiten und Nutzen von Informationstechologie für Menschen im Autismusspektrum:

Getting It: Using Information Technology to Empower People with Communication Difficulties

Included or Excluded?: The Challenge of the Mainstream for Some SEN Children

 

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